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Der Grenzgänger der Lokalzeitung

Solche Betriebsjubiläen sind selten geworden. Seit einem halben Jahrhundert begleitet der GN-Redakteur das Geschehen in der Grafschaft und in der niederländischen Nachbarschaft.

Was er werden wollte, wusste Freimuth Schulze schon im Alter von 16 Jahren: Sportjournalist. Aber als er mit diesem Wunsch im Jahr 1966 bei Heinz Kip, dem damaligen Verleger der Grafschafter Nachrichten, vorstellig wurde, erhielt er eine Abfuhr. Er solle erst einmal etwas Ordentliches lernen, beschied ihn der Zeitungschef – und stellte den jungen Schüttorfer als Schriftsetzerlehrling ein.

Das war vor genau 50 Jahren. Jetzt feiert Freimuth Schulze sein „Goldenes Jubiläum“ als Mitarbeiter der Grafschafter Nachrichten. Doch mit den Bleilettern, die er als Lehrling in Gutenbergscher Tradition zur täglichen Zeitung zusammenfügte, hat Freimuth Schulze tatsächlich nicht lange hantiert. Erstens, weil sich die Technik schnell änderte, und zweitens, weil er schon als Lehrling an den Wochenenden für die Sportredaktion im Einsatz war. Das zahlte sich aus: An die Schriftsetzerlehre konnte er direkt ein Volontariat anhängen und wurde schließlich als Sportredakteur übernommen. Ziel erreicht!

Von da an war Freimuth Schulze mit Stift, Block und Retina-Kleinbildkamera auf Sportplätzen und in Turnhallen in der Grafschaft unterwegs, berichtete natürlich über die „Schwarzen Husaren“ aus Schüttorf, die im Großfeldhandball zur norddeutschen Spitze zählten, aber auch über internationalen Fußball in Enschede, wo er Sportgrößen der 1960erund 1970er-Jahre traf.

Rund 20 Jahre lang blieb Schulze der GN-Sportredaktion treu, dann wechselte er ins Lokale. In Erinnerung geblieben ist ihm seine Berichterstattung über die Anhalterinnen-Morde, die die GN kürzlich auf einer Doppelseite noch einmal aufgegriffen haben. Oder auch sein Kontakt zu einem jungen Schüttorfer, der als Entwicklungshelfer in Vietnam zwölf Wochen lang vom Vietcong gefangen gehalten wurde.

Sein Herzensthema aber war all die Jahre das deutschniederländische Verhältnis. Das hatte auch private Gründe: Weil es Diskotheken damals vor allem jenseits der Grenze gab, fand der Grafschafter dort seine Freundin – die er heiratete und mit der er seit nunmehr 40 Jahren in Denekamp lebt. Sein großes berufliches und privates Engagement für das grenzüberschreitende Miteinander brachte dem GN-Redakteur im vergangenen Jahr sogar die Ehre ein, als einer von ganz wenigen Deutschen in den Niederlanden zum „Ritter im Orden von Oranien- Nassau“ ernannt zu werden.

30 Jahre lang organisierte Freimuth Schulze als „Chef vom Dienst“ die tägliche Zeitungsproduktion, genauso lange betreute er den Fotowettbewerb „Blende“. Er baute den Bereich der Sonderveröffentlichungen bei den GN mit auf und prägte ihn über viele Jahre, initiierte Leserreisen und im Jahr 2000 eine Spendenaktion für die Opfer der Feuerwerk-Katastrophe in Enschede.

Bei der Übergabe der Ehrenurkunde der Industrie- und Handelskammer erinnerte GN-Geschäftsführer Jochen Anderweit daran, dass der Jubilar erst vor eineinhalb Jahren einen schriftlichen Arbeitsvertrag erhalten hatte, um die „runde“ Betriebszugehörigkeit erreichen zu können – bis dahin galt der Handschlag mit Heinz Kip!

Keine Frage: Freimuth Schulze ist bei den Grafschafter Nachrichten eine Institution. Inzwischen tritt er zwar kürzer, nimmt sich nun als Rentner mehr Zeit für die Enkelkinder. Aber so ganz kann er auch nach 50 Jahren bei den GN nicht vom Journalismus lassen: Die „Holland“- Seite, die an jedem Sonnabend im Wochenend-Journal erscheint, betreut er auch weiterhin.