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Ältester Zeitzeuge der GN-Geschichte wird 90

Wenn einer viel über das Zeitungsmachen erzählen kann, dann ist es Jan Brouwer. Der älteste noch lebende Zeitzeuge der langjährigen GN-Geschichte feiert am morgigen Sonntag seinen 90. Geburtstag.

In seiner Schaffenszeit praktisch nur einen Arbeitgeber kennengelernt zu haben, ist heutzutage kaum noch denkbar. Jan Brouwer hat das, wie zuvor übrigens schon einige weitere Technik-Mitarbeiter bei den Grafschafter Nachrichten, geschafft.

Mehr als ein halbes Jahrhundert, 49 Jahre als Schriftsetzer und zum Ausklang seines Arbeitslebens noch zwei Jahre als Korrektor, stand er bei den GN in Lohn und Arbeit, ehe er 1990 in den Ruhestand trat. Zu diesem Zeitpunkt war die technische Revolution im Zeitungswesen längst angelaufen. Die Bleizeit war vorbei, Bildschirm und Computer ersetzen ihre Arbeit. Jan Brouwer hat bei den GN somit auch noch die Anfänge der neuen Epoche kennengelernt.

1941 ging es für Jan Brouwer mit 14 Jahren los bei Kip in Neuenhaus, wo auch die Vorläufer der GN („Zeitung und Anzeigenblatt“ sowie „Nordhorner Nachrichten“) gedruckt wurden. „Es war keine schöne Zeit, schließlich war Krieg“, erzählt Jan Brouwer. Der junge Schriftsetzer-Lehrling wohnte in Nordhorn.

Dass er den Weg zur Arbeit täglich mit dem Fahrrad erledigte, war zu dieser Zeit nicht ungewöhnlich. Die Lehre schloss Jan Brouwer nach nicht einmal zwei Jahren 1943 mit einer eilends durchgeführten Notprüfung in Osnabrück ab, weil er kurz darauf zum Militärdienst einberufen wurde. Zum Glück musste er seinen Einsatz nur innerhalb Deutschlands ableisten.

Nach dem Krieg gehörte Jan Brouwer recht bald wieder zur Belegschaft der Kip-Druckerei in Neuenhaus. Als dann die Kip-Brüder die Trennung ihres Betriebes beschlossen – Karl Kip blieb Chef der Akzidenzdruckerei in Neuenhaus und Georg Kip übernahm die Geschicke des Zeitungsverlages – dauerte es noch bis zum 1. November 1949, ehe in der Dinkelstadt die erste Ausgabe mit Namen „Grafschafter Nachrichten“ gedruckt wurde.

Mit dabei war der junge Jan Brouwer. 1952 bezog der Zeitungsbetrieb dann unter Führung des Verlegertrios Georg und Heinz Kip sowie August Hellendoorn seinen Neubau am Ootmarsumer Weg in Nordhorn. Heute hat in diesem Gebäude die Bäckerei Brand ihr Zuhause.

Zu den Leuten der ersten Stunden in Nordhorn zählte damals auch Jan Brouwer, der im Technikbereich der GN schnell in den damals angesehenen Kreis der in zwei Schichten arbeitenden Maschinensetzer aufstieg.

Der Aufgabenbereich von Jan Brouwer und seiner Kollegen bestand darin, neben der technischen Erstellung der Anzeigen- und politischen Seiten die von den damaligen langjährigen Redakteuren wie Reinhold Wedewen, Willy Friedrich, Carl-D. Westdörp, Hans Haustein, Claus- Peter Appelbaum oder Klaus- Jürgen Kirschstein auf der Schreibmaschine verfassten Berichte noch einmal abzutippen und in Bleizeilen umzuwandeln.

„Das war zu Zeiten, als es gerade einmal drei Wochen Urlaub im Jahr gab, die 48-Stunden-Woche festgeschrieben war und in der Regel jeden zweiten Sonnabendvormittag gearbeitet wurde. Und wie heute noch im Zeitungsbetrieb üblich, mussten wir natürlich auch Sonntagsdienste einplanen“, kramt Jan Brouwer in alte GN-Bleisatzzeiten zurück, in denen die Gestaltung der Seiten enge Grenzen hatte.

Eine Ausgabe konnte in den 1960er- und 70er Jahren auch schon mal aus nur zwölf Seiten bestehen. Seiten gänzlich ohne Bild, nur mit Textbeiträgen, waren keine Seltenheit. Und wenn Bilder veröffentlicht wurden, dann nur in schwarzweiß. Im heutigen Computer- Zeitalter sind die Gestaltungs- und Farbmöglichkeiten auf den Zeitungsseiten nahezu grenzenlos.

Auch nach nun schon etwas mehr als einem Vierteljahrhundert im Ruhestand denkt Jan Brouwer bei guter Gesundheit gerne an die über 50-jährige Schaffenszeit bei den Grafschafter Nachrichten in einem immer netten Kollegenkreis zurück.